Resumée

6. März 2017


Heute sind vier Wochen, seit dem Start unseres Familienprojektes vergangen und meine anfängliche Motivation ist schon deutlich abgestumpft, denn ich bin an einige Hürden geraten. Ich mache trotzdem weiter, denn aufgeben liegt nicht drin, aber ich merke, es macht sich Resignation breit.


Da ich schon lange ein "kritischer" Konsument bin, ist vieles bei uns zu Hause plastikfrei. Viele Dinge liessen sich relativ leicht ersetzen, ich hatte nur noch nie darüber nachgedacht. Wie zum Beispiel unsere Nagel- und Zahnbürsten, Deos und Handseifen. Das Joghurt wird jetzt wieder im Glas gekauft, und das bisschen Milch, dass wir brauchen, bringt nun der Milchmann in einem "Milchkesseli". Das freut mich doppelt, denn wenn meine Kinder schon Milch trinken wollen (ich bin kein Fan davon), dann bitte schön Rohmilch, die kann der Körper wenigsten sinnvoll verwerten.

Käse hole ich im Chäslädeli oder in der Metzgerei, denn sie erklären sich bereitwillig dazu, mir die eingekauften Güter in meine mitgebrachten Dosen oder Gläser zu füllen. Die Verkäuferin in der Migros, schaute mich nur verdattert an und meinte, dies gehe nicht, sie hätten ihre Vorschriften.... Auch habe ich mit Freuden entdeckt, dass der Schuler Metzg ja sogar verschiedene Oliven, getrocknete Tomaten und andere Leckereien im Offenverkauf hat! mmmh!

Kleine Änderungen, die aber schon wesentlich ins Gewicht fallen und unseren 35l Güselsack eine halbe Woche länger halten lassen.




Einiges aber, vor allem Süssigkeiten, liessen sich gar nicht ersetzen und deshalb haben wir uns gemeinsam dazu entschlossen, einfach ganz auf sie zu verzichten. Natürlich sind Ausnahmen nach gründlicher Überlegung, ob ich dieses oder jenes nun WIRKLICH will, gestattet.

Dies freut mich besonders und bringt ja gleich mehrere Vorteile: weniger Abfall, Ersparnis beim Einkaufen und weniger Zucker! Als Belohnung gehen wir nun öfters mal zum Beck und holen uns dort etwas Gutes und zum Glück, gibt es ja noch Schokolade die nicht in Plastik verpackt ist!


Dann gibt es aber Dinge, die ich noch nicht ersetzen konnte, worauf ich gleichzeitig aber auch nicht verzichten will. Wie zum Beispiel Quark, griechisches Joghurt, Rahm und Crème Fraîche, gemahlene Nüsse, Quinoa, Kosmetika, Linsenmittel und noch so einiges mehr...

Natürlich könnte man vieles selber herstellen oder sammeln, aber HEY! ich will ja auch noch was anderes tun...!




Zuerst war ich sehr frustriert darüber, dass sich plastikarm leben, so schwer bewerkstelligen lässt. Das heisst, einiges ist praktisch, mit sinnvollem Zeitaufwand, gar nicht möglich! Dazu kam noch mehr Frust darüber, dass ich mich oft zwischen BIO oder Plastik entscheiden musste.... Ist ja schon komisch, dass in normalen Einkaufsläden immer das Biogemüse in einer Unmenge Plastik verpackt wird... Wo es doch heute genug alternativen gäbe! Ich dachte, diese Lebensmittel sollten Gesundheits- und Umweltbewusste Leute ansprechen. Tja, offensichtlich wird das eigene Wohlbefinden höher, als die Belastung unserer Umwelt, unseres Lebensraumes, gestellt. Ich brauche ja nicht zu sagen, dass es uns spärlich wenig nützt, wenn wir alle top gesund sind, uns gerne in der freien Natur bewegen, die Landwirtschaft möglichst auf Bio oder besser Demeter umstellen wollen und sie im gleichen Atemzug mit Plastik zumüllen und Berge von Abfall verbrennen, das wiederum unsere Luft verpestet.... argh! Ist jetzt alles sehr simpel und Plakativ, das ist mir schon bewusst, aber es hat was Wahres! Sogar im Bioladen ist 90% der Güter in Plastik verpackt, das muss ja so sein, wegen unseren Hygienevorschriften.... also was mach ich denn jetzt?! Gar nichts mehr essen? Denn, entweder bringe ich ein Tier um oder halte es in Gefangenschaft, verschmutze unsere Umwelt oder nehme Pestizide zu mir ... ja was denn nun am liebsten?!


Zum Glück beruhigte ich mich nach einer Weile und ein paar aufmunternden Gesprächen wieder und ich erinnerte mich an Nummer vier meiner fünf Regeln, die lautet: "Bleibe vernünftig und werde nicht fanatisch!"

Ein fahler Nachgeschmack bleibt trotzdem, denn ich habe gelernt, dass es für uns nullachtfünzehn Menschen, einfach nicht möglich ist, so zu leben, dass wir uns und unserer Umwelt nicht schaden. Die Zeiten sind vorbei!